Umgang mit stark gestiegenen Energiekosten und Preisanpassungen

04.12.2022
Das Thema Energiekosten ist seit einigen Monaten in aller Munde. Als Webhostingunternehmen benötigen wir trotz effizienter Kühlung und moderner Hardware viel Strom, sodass dieser für uns mit den größten Anteil an den operativen Betriebskosten unserer Rechenzentrumsfläche ausmachen.

Hintergrund unserer Kostenstruktur

Mit dem heutigen Artikel wollen wir transparent darlegen, wie wir mit dem Thema in den letzten Monaten umgegangen sind und welche Neuigkeiten sich in den letzten Tagen ergeben haben. Nachdem eine Entspannung an den Energiemärkten zunächst nicht absehbar war, haben wir angefangen, uns mit dem Thema zu beschäftigen. Um die Auswirkungen auf unser Unternehmen zu verstehen, muss man wissen, wie sich unsere Energiekosten zusammensetzen.

Wir haben letztes Jahr, wie einige sicher auf Social Media verfolgt haben, zur Sicherstellung unseres Wachstums in unserem Rechenzentrum maincubes FRA01 (statt wie bisher einzelner Racks) eine eigene größere Fläche gemietet, die nach unseren Bedürfnissen mit Racks ausgebaut wird. Es handelt sich letztendlich um zwei Rackreihen mit eigenem Kaltgang samt Tür in der Mitte, die wir so lange ausbauen können, bis wir an der gegenüberliegenden Wand angekommen sind. Zugehörig sind eigene Kabeltrassen, über die wir unsere Racks selbstständig beliebig verbinden können. Dieses Setup schafft Platz für die nächsten Jahre und ermöglicht uns praktisch alle Anbindungsbedürfnisse – egal ob für Kundenracks oder eigene – selbst umzusetzen. Durch eine lange Vertragslaufzeit haben wir sichergestellt, gute Konditionen für die Fixkosten über einen langen Zeitraum realisieren zu können.

Was im (größeren) RZ-Geschäft recht üblich ist, gilt auch für uns: Unsere Gesamtkosten setzen sich in erster Linie aus der sogenannten (fixen) Leistungsbereitstellung und einem variablen kWh-Preis zusammen. Die Leistungsbereitstellung wird in kW gemessen und bedeutet vereinfacht gesagt, dass wir eine gewisse Peak-Leistung (beispielsweise 100 kW) nutzen können und zudem garantiert bekommen, dass diese Last auch 24/7 gekühlt, sprich die Abwärme unserer Infrastruktur abgeführt werden kann. Da das Rechenzentrum sicherstellen muss, diese Strom- und Kühlleistung jederzeit bereitstellen zu können, ist es üblich, dass man hierbei seinen Peak- und nicht den Durchschnittsverbrauch bezahlt. Daher hat man in der Regel etwas mehr Leistungsbereitstellung zu bezahlen als man im Durchschnitt verbraucht.

Beim eigentlichen Stromverbrauch setzt sich unser Preis vereinfacht gesagt aus dem jahresaktuellen Einkaufspreis des Rechenzentrums und der sogenannten PUE (Power Usage Effectiveness) zusammen. Der PUE-Wert ergibt sich aus den Sekundärverbrauchern des Rechenzentrums im Verhältnis zur Produktivlast; also in erster Linie Klimaanlage, Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) und sonstige Gebäudetechnik.

Bisheriges Vorgehen

Wir haben zum einen versucht, möglichst zeitnah den Strompreis für 2023 als Kalkulationsgrundlage zu erfahren, und zum anderen bereits vor einigen Monaten den Preis für Neubestellungen einiger unserer Produkte „präventiv“ um 11-14% erhöht. Die Hoffnung war hierbei offen gesagt, die in etwa erwarteten Mehrkosten 2023 durch die eigentliche Erhöhung sowie die Mehreinnahmen in den letzten Monaten dieses Jahres in einer ausreichenden Größe abfangen zu können. Wir wollten ganz ausdrücklich vermeiden, ohne Kenntnis über den finalen Strompreis pauschale Preiserhöhungen aller Produkte vorzunehmen. Zwar haben in den letzten Monaten viele Mitbewerber ihre Preise teils drastisch nach oben korrigiert, aber wir wollten abwarten, welchen Strompreis wir letztendlich einkalkulieren müssen – wohlwissend, dass das Zeitfenster, das uns nach der Strompreismitteilung bis zum Beginn des neuen Jahres bleibt, täglich kleiner wird.

Bereits von 2021 auf 2022 hatten wir eine rund 40%-ige Strompreiserhöhung bekommen, die wir damals aber durch vorausschauende Planung und den zuvor recht niedrigen kWh-Preis abfedern konnten, ohne Bestandsverträge anfassen zu müssen. In erster Linie haben wir damals dedizierte Server angepasst, wenn diese gekündigt und somit neu vermietet wurden. Damit konnten wir einen Teil der Mehrkosten kompensieren.

Der Strompreis in Zahlen

Am Nachmittag des 30.11.2022 war es dann so weit – wir erhielten ein Schreiben bezüglich des Strompreises für 2023. Die Erhöhung beträgt mehr als 80% gegenüber 2022 und hat damit, das muss man ganz offen sagen, unsere Befürchtungen übertroffen und insofern die Hoffnung zerschlagen, sie rein aus Neubestellungen querfinanzieren zu können.

Wir haben, da es für diese am einfachsten umzusetzen ist und mit den wichtigsten Kostenfaktor darstellt, noch am Abend des 30.11.2022 allen Kunden, die bei uns eigene Racks beziehen, ihren neuen Strompreis kommuniziert. Dieser gilt ab dem 01.01.2023 und kann von uns in keiner Weise abgefangen werden, da die Marge bei Colocation gering ist und die Stromkosten von uns durchgereicht werden. Daher gestalten wir unsere Colocation-Verträge so, dass der Strompreis entsprechend unserer Bezugskosten angepasst wird – natürlich auch in die andere Richtung bei gesunkenen Kosten.

Neues Vorgehen

Wer beim Lesen nun schon geahnt hat, dass auch wir nun Preiserhöhungen bei Bestandskunden vornehmen müssen, liegt richtig. Allerdings wollen wir hierbei nicht den Weg der derzeit „marktüblichen“ pauschalen Erhöhung sämtlicher Produkte um einen gewissen Prozentsatz gehen. Da wir unsere Racks nach Produkten trennen, konnten wir relativ schnell ermitteln, welche unserer Produkte welche Mehrkosten generieren werden. Dies haben wir in den letzten Tagen getan.

Letztendlich gehen wir das Problem mit diesem Wissen nun aus verschiedenen Perspektiven an:

  • Anpassung zu günstiger Produkte: Wir haben dank einer hohen Bestandskundentreue bis heute aktive Verträge die bis ins Jahr 2014 zurückgehen. Damals waren beispielsweise IP-Adressen für uns noch kostenfrei zu beschaffen und wir haben, wenn auch nicht oft, vServer für 2,00€ / Monat und günstiger vermietet. Das ist mit heutigen IP- und Energiepreisen keine gute Idee mehr und muss an allen Stellen korrigiert werden, an denen unter heutigen Gesichtspunkten ein über viele Jahre gehaltener Preis nicht mehr rentabel ist. Dies gilt insbesondere auch für zusätzliche IPv4-Adressen und IPv4-Netze, wird aber auch einige neuere Produkte betreffen, wenn diese im Verhältnis zur aktuellen Kalkulation schlichtweg nicht mehr rentabel sind.
  • Austausch alter Systeme: Wir betreiben für viele Altverträge noch Server mit alten Prozessoren, die nicht mehr energieeffizient genug sind. Diese werden wir nächstes Jahr durch modernere CPUs ersetzen und so Produkte, die wir im Preis anheben müssen, gleichzeitig etwas aufwerten.
  • Sonstige Stromsparmaßnahmen: Zugegebenermaßen – viel ist nicht mehr zu machen, da wir schon lange auf Energieeffizienz achten, aber wir arbeiten ab kommender Woche daran, die Kosten für die Kühlung unserer Server weiter zu senken, indem wir deren Belüftung optimieren, ohne die eigentliche Zulufttemperatur unseres Kaltgangs zu erhöhen, sodass unseren Kunden kein Nachteil entsteht. Je nach Ergebnis wird es hierzu einen Blogbeitrag geben.

Die Aufwertung älterer Produkte werden wir wo immer es möglich ist nicht nur bei der CPU-Leistung vornehmen, sondern auch Traffic und Bandbreite auf ein modernes Niveau anheben, um zumindest einen gewissen Mehrwert mitgeben zu können.

Details zur Preisanpassung

Wir werden alle betroffenen Kunden in den nächsten Tagen anschreiben und die jeweilige Erhöhung kommunizieren. Im Sinne unserer transparenten Kommunikationspolitik wichtig zu wissen ist, wie wir hierbei vorgehen. Wir werden keine harte Anpassung zu einem exakten Stichtag vornehmen, sondern zur nächsten regulären Fälligkeit, die nach diesem Stichtag liegt. Folgendes Beispiel soll dies veranschaulichen:

Ein Produkt kostet bisher 10,00€ pro Monat und wird ab dem 01.01.2023 auf 11,50€ pro Monat angehoben. Die nächste Fälligkeit des Produkts ist aber der 31.12.2022, also vor dem Stichtag. Daher wird das Produkt an diesem Tag noch mal für eine volle Abrechnungsperiode zum alten Preis abgerechnet – auch, wenn dieses immer ein Jahr vorausbezahlt wird. Wir wollen so insbesondere Kunden honorieren, die uns mit einer individuell gewählten größeren Abrechnungsperiode ihr Vertrauen entgegengebracht haben, und solchen mit einer kürzeren Abrechnungsperiode trotzdem noch eine gewisse Planbarkeit ermöglichen, da bei jeder fälligen Abrechnung vor dem Stichtag diese in jedem Fall zum alten Preis erfolgt; auch, wenn der dann abgerechnete Zeitraum deutlich in das nächste Jahr hineingeht.

Mit den genannten Maßnahmen gedenken wir die Mehrkosten etwa zur Hälfte kompensiert zu bekommen. Was ist mit der anderen Hälfte?

Ausblick

Die Politik diskutiert derzeit über eine Strompreisbremse. Viele Details sind unklar; vor allem aber natürlich, wo genau sich der effektive Strompreis für das nächste Jahr dann für uns einpendeln wird. Wir rechnen natürlich nicht damit, dass die Strompreisbremse das Kostenproblem vollständig löst, aber eine gewisse Entlastung sollte diese bringen.

Darüber hinaus rechnen viele Branchenexperten mit einer Entspannung der Preise ab 2024. Unsere Idee ist insofern, die verbleibenden Mehrkosten in Teilen ein Jahr lang zu schlucken und ab 2024 wieder einen Strompreis einkaufen zu können, der in Kombination mit den notwendigen Preisanpassungen die Rentabilität unserer Produkte wieder auf das vorherige Niveau bringt. Dies halten wir für kundenfreundlicher, als jetzt eine pauschale, größere Erhöhung vorzunehmen und spätere Preisreduktionen, die niemand so richtig abschätzen kann, in Aussicht zu stellen.

Es ist ärgerlich, dass uns der neue Strompreis erst so spät vorlag, da unsere eigene Kommunikation direkt davon abhängig war und ist, und wir sind uns dessen bewusst, dass die resultierende späte Kommunikation auch auf Unmut stoßen wird. Dennoch hoffen wir, hiermit gut dargelegt haben, warum wir eben so und nicht anders vorgegangen sind. Das nächste Jahr wird einige Herausforderungen für die Hostingbranche mit sich bringen; nicht nur in Deutschland. Wir sind dankbar, treue und verständnisvolle Kunden an unserer Seite zu haben, und sind insofern zuversichtlich, das Beste aus der Situation machen zu können.

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